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GKV

Im Zusammenhang mit Toleranzen wird oftmals die GKV zitiert. Dies ist der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. Dieser hat ein Leitwerk zur Einhaltung gewisser Fertigungstoleranzen erstellt, welches sich in Deutschland hoher Beliebtheit erfreut.

Wichtig sind dabei folgende Punkte:

  • Meist wird dieses Werk mit 5% Toleranz zusammengefasst. Dies ist eine übertriebene Vereinfachung. Tatsächlich legt das Werk in Abhängigkeit von Produktionsmenge (Tonnage) und den Maßen des Produktes verschiedene einzuhaltende Toleranzen fest.
  • Dieses Werk hat keinen regulatorischen Charakter wie eine DIN, sondern ist freiwillig. Man kann also nicht darauf vertrauen, dass alle Folien so produziert werden, sondern nur jene die sich explizit darauf beziehen.

 

Mögliche Betrugsvarianten und deren Überprüfung

Stärke
Es wird von der angegebenen Sollstärke abgewichen. Dies können wenige Prozent sein bis zu 70%. Insbesondere mit hohen Regeneratanteil und heterogenem Material ist dies schwer nachzuweisen, da die Stärkenmessung aufgrund der oftmals vorhandenen Einschlüsse ungenau ist. Daher ist eine Bestimmung des Produktgewichtes unerlässlich – doch auch hier gibt es Wege zu schummeln. Leider ist auch ein Wiegen des Produktes damit nicht eindeutig, siehe hierzu die Abschnitte Kerngewicht und Rezeptur. Generell ist die häufigste Betrugsvariante.

Breite
Abweichungen in der Breite führen ebenfalls zu einer Materialeinsparung und damit Kostenreduktion. Dieses lässt sich jedoch leicht durch Nachmessen feststellen.

Länge
Abweichungen in der Länge führen ebenfalls zu einer Materialeinsparung. Dieses lässt ebenfalls durch Nachmessen feststellen, ist jedoch etwas aufwändiger, da zunächst die gesamte Rolle abgewickelt werden muss.

Rollendurchmesser
Ein schnell ersichtlicher Hinweis auf Abweichungen in Stärke oder Länge ist der Rollendurchmesser. Wenn die Stärke oder die Länge reduziert wird, nimmt zwangsweise der Rollendurchmesser ab. Dies kann jedoch auch durch eine straffe Wicklung oder einen abweichenden Kerndurchmesser verändert werden.

Kerngewicht
Das typische Kerngewicht für Pappkerne bei PE-Baufolien liegt zwischen 0,5 und 1,2kg und bei Stretchfolie bei 1,6kg. Ein höheres Gesamtgewicht der Rolle benötigt einen stabileren und damit schwereren Kern.
Da der Kern typischerweise zum Abrechnungsgewicht gehört, kann über einen schweren Kern das Gesamtgewicht korrigiert werden. Ein schwerer Kern ist jedoch nicht automatisch dicker, sondern oftmals nur höher verdichtet.

Rezeptur
Aufgrund von technischen Anforderungen können Zusatzmittel wie zum Beispiel Flammhemmer oder Antirutschmittel eingefahren werden oder aufgrund von Schwankungen in der Qualität des Regranulates der Anteil an 1A / Offgrade Material angepasst werden. Die Aufbereitungsprozesse für Regranulat werden immer besser und damit auch die Qualität. Somit sind daraus resultierende Anpassungen immer seltener nötig. Darüber hinaus sind sich hieraus ergebende Veränderungen der Rezeptur für das Flächengewicht der Folie jedoch meist unerheblich.
Ein nennenswerter Rezepturbestandsteil, welcher aus verarbeitungstechnischen Gründen eingesetzt wird, ist Kreide bzw. Calciumcarbonat. LDPE hat eine Dichte von 0,92g/cm³, während Calciumcarbonat eine Dichte von 2,7g/cm³ hat. Für den Prozess erforderlich, bzw. zuträglich sind Anteile von ca. 5-7%. Wir stellen jedoch immer wieder Anteile von >20% fest. Damit kann die Dichte auf über 1,0g/cm³ erhöht werden.

Transparenzgrade
Eine weiter Form der Rezepturveränderung betrifft die Transparenzgrade. (Für eine kurze Erklärung dieser Begriffe sehen Sie bitte: https://jafoplast.de/optische-eigenschaften-von-folien-und-kunststoffen/.) Sind klare / optisch besonders reine Folien gewünscht, muss 1A bzw. Virgin-Material genutzt werden, da kleine Einschlüsse und Unreinheiten von recyceltem Material für eine Trübung sorgen. Wird nicht klar definiert, welche Transparenz gewünscht ist, kann auch Offgrade, Post-Industrial-Recycling oder bei besonders guter Aufbereitung, sogar PCR-Material genutzt werden. Diese Unklarheit kann bewusst ausgenutzt werden. Hinzu kommt, dass das Abschalten der Cracker (hier wird aus Öl der Kunststoff hergestellt) und von Extrudern sehr kostenintensiv ist. Somit kann es dazu kommen, dass unter Preis produziert wird, um ein Abschalten der Anlagen zu umgehen. Dadurch wird dann hochwertiges Material auch in günstige Produkte eingefahren.